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Auf dieser Seite wurden Tipps und Hinweise für die Auswahl des Umrüstkonzeptes, des Umrüsters sowie für die Nutzung von Pflanzenölkraftstoff in Traktoren und Erntemaschinen zusammengetragen.
Nicht alle Motoren, die heute in Traktoren zum Einsatz kommen, sind für eine Umrüstung auf Pflanzenölkraftstoff geeignet. Hier liegt die Verantwortung beim Umrüster, welcher auf verschiedenste Anforderungen mit entsprechenden Maßnahmen reagieren bzw. bei Nichteignung von einer Umrüstung Abstand nehmen sollte.
Die meisten Umrüster haben sich auf Traktoren und entsprechende Motorentypen spezialisiert – dies sollte bei der Wahl des Umrüsters berücksichtigt werden. Neben den bereits erwähnten Kriterien ist der Einsatzbereich des Traktors entscheidend. Mit einem hohen Anteil an Volllaststunden (z.B. Grubber- und andere Feldarbeiten) ist sichergestellt, dass die Verbrennungsvorgänge optimal ablaufen können. Wird der Traktor vorwiegend im Teil- oder sogar Leerlaufbereich (z.B. beim Antrieb von Nebenaggregaten, bei Landschaftspflegearbeiten etc.) eingesetzt, ist durch die unvollständigere Verbrennung mit einem vermehrten Auftreten von Ablagerungen im Brennraum zu rechnen. Weiter zu berücksichtigen ist ein erhöhter Pflanzenöleintrag ins Motorenöl. Die für den Pflanzenölbetrieb in der Regel bereits halbierten Wartungsintervalle sind in diesem Fall weiter zu verkürzen.
Die Anpassungsmaßnahmen im Rahmen einer Umrüstung variieren zum Teil sehr stark zwischen den einzelnen Anbietern. Lassen Sie sich vom Umrüster die durchzuführenden Einzelmaßnahmen im Vorfeld separat aufführen. Die Kosten der Anpassungen lassen sich dadurch leichter nachvollziehen und darüber hinaus mit anderen Konzepten vergleichen. Da beim Pflanzenöl neben der schlechteren Viskosität und Zündfähigkeit (Cetanzahl) auch der Aufwand für die Gemischbildung im Brennraum höher ist als bei Dieselkraftstoff, sind aufwändige Anpassungen erforderlich, welche im Folgenden beispielhaft aufgeführt sind:
Eine Liste mit umgerüsteten Fahrzeugen sollte für eine bessere Vergleichbarkeit durch das Umrüstunternehmen zur Verfügung gestellt werden.
Eine Auflistung der Fahrzeuge sollte folgende Informationen enthalten
Der Vorteil des Eintank-Systems ist, dass alle Betriebszustände mit Pflanzenöl gefahren werden können - ein Umschalten zwischen Diesel und Pflanzenöl wie beim Zweitank-System entfällt. Für eine problemlose Kaltstartphase wird der Kraftstoff vor dem Startvorgang (z.B. durch elektrische Heizkomponenten) erwärmt. Bei niedrigen Außentemperaturen muss die Aufheizphase verlängert werden – gegebenfalls ist eine leistungsstärkere Batterie erforderlich. Eine Option sind zudem Stand- oder Zusatzheizungen, die jedoch in der Regel nicht rapsöltauglich sind. Hier ist ein separater Vorratsbehälter bzw. eine Anpassung der Komponenten erforderlich. Hierfür bieten eine Reihe von Umrüstfirmen Lösungen an.
Das Zweitank-System ist das einfachere und oft kostengünstigere Konzept. Hier wird bis zum Erreichen der Betriebstemperatur der Motor mit herkömmlichem Dieselkraftstoff betrieben. Ist diese Temperatur erreicht, wird manuell bzw. zum Teil auch automatisch auf Pflanzenölkraftstoff umgestellt. Vor dem Abstellen des Fahrzeuges muss erneut auf Dieselkraftstoff zurückgestellt werden, um so den folgenden Kaltstart mit Dieselkraftstoff zu gewährleisten. Als Pflanzenöltank wird in der Regel der vorhandene Kraftstofftank genutzt. Für Dieselkraftstoff wird ein zweiter Tank installiert, der von außen befüllbar sein muss.
Für eine wirtschaftliche Betrachtung sollte im Vorfeld der Einsatzbereich und damit der Verbrauchsanteil von Pflanzenöl bzw. Dieselkraftstoff abgeschätzt werden. In der Regel bewegt sich dieser bei 90 Prozent Pflanzenöl und zehn Prozent Dieselkraftstoff. Durch spezielle Maßnahmen der Kraftstoffvorwärmung kann die Betriebstemperatur schneller erreicht und damit die Dieselphase verkürzt werden. Häufige Kaltstarts und kurze Betriebszyklen erhöhen hingegen den Dieselkraftstoffanteil und machen eine Umrüstung oft unwirtschaftlich.
Die Praxis zeigt, dass die Sorgfalt beim Betreiben des Traktors eine entscheidende Rolle spielt. Der Traktorbesitzer muss darauf achten, dass jeder Fahrer mit den besonderen Anforderungen der Pflanzenölkraftstoffnutzung vertraut ist. Probleme treten vor allem auf, wenn ein Traktor von mehreren Personen genutzt wird.
Häufige Fehlerquellen sind:
Aus diesem Grund bieten eine Reihe von Unternehmen elektronische Überwachungssysteme an, die diese Fehler weiter minimieren sollen.
Der Einsatz von Rapsöl als Kraftstoff führt, wie bereits mehrfach beschrieben, zu einem erhöhten Rapsöleintrag ins Schmieröl. Obwohl bei einigen Umrüstkonzepten Fahrzeuge mit einer Ölstandsüberwachung ausgestattet sind, ist eine regelmäßige Überprüfung durch den Betreiber erforderlich. Die Intervalle für Wartungsarbeiten müssen in Art und Umfang vom Umrüster festgelegt werden.
Für eine Beispielrechnung (Tabelle 1 u. 2) wurde für einen 100-kW-Traktor ein Dieselverbrauch von zwölf Litern je Betriebsstunde (Bh) angenommen sowie ein pflanzenölbedingter Mehrverbrauch von fünf Prozent und ein Dieselanteil beim Zweitank-Konzept von zehn Prozent zu Grunde gelegt. In der Tabelle 1 sind die Kraftstoffkosten pro Betriebstunde im Dieselbetrieb und für Pflanzenöl im Einund Zweitank-System dargestellt. Die Einsparung pro Jahr ist abhängig von den Jahresbetriebsstunden und in Tabelle 2 beispielhaft für 600, 800 und 1.000 Bh abgebildet. Bei 600 Bh/a werden trotz Mehrverbrauch von 360 Litern pro Jahr ca. 2.630 EUR an Kraftstoffkosten eingespart. Dieser Kostenvorteil verringert sich jedoch um 90 EUR für die Kosten der zusätzlich anfallenden Motorölwechsel und um weitere 500 EUR für eine Bruchversicherung. In der Tabelle 2 sind nur die Mehrkosten eines Ölwechsels zum Dieselbetrieb berücksichtigt. Ein weiterer Kostenfaktor ergibt sich aus der Agrardiesel-Vergütung, die auf 10.000 Liter pro Jahr begrenzt ist. Unter Voraussetzung des gültigen Vergütungssatzes von 21,48 EUR pro 100 Liter und einem Einbehalt von 400 EUR pro Betrieb reduziert sich die Einsparung wie in Tabelle 2 aufgeführt.


Wie bereits beschrieben, ermöglichen einige Konzepte einen ganzjährigen Pflanzenölbetrieb. Der Umrüster sollte entsprechende Hinweise für den Winterbetrieb liefern. Dies gilt z.B. auch für das Abstellen des Traktors über einen längeren Zeitraum.
Da über das vorhandene Tankstellennetz keine flächendeckende Bereitstellung von Pflanzenölkraftstoff möglich ist, sollte bei der Umrüstung von Landmaschinen der Aufwand für die Kraftstoffbeschaffung bzw. die Option für die Errichtung einer Eigenverbrauchstankstelle geprüft werden. Hinweise zur Errichtung und Förderung von Eigenverbrauchstankstellen finden Sie unter Förderprogramm Biokraftstoffe.
Anbieter von Pflanzenölen finden auf den Internetseiten des Bundesverbandes Pflanzenöle e.V. unter www.biotanke.de. Bei der Auswahl des Lieferanten ist darauf zu achten, dass der Kraftstoff die Kriterien der Vornorm DIN 51605 erfüllt. Die Kraftstoffqualität ist der Rechnung bzw. dem Vertrag zu entnehmen und sollte durch Rückstellproben abgesichert werden.
Bei der Auswahl eines Umrüstkonzeptes sollte Art und Umfang von Garantie-, Gewähr- und Versicherungsleistungen der einzelnen Unternehmen geprüft werden. Die Kosten für eine Versicherung sowie deren Anforderungen an die Schadensregulierung (Werkstattbindung, Kraftstoffqualität, etc.) variieren zum Teil sehr stark. Ein weiterer Punkt ist die Schadensabwicklung – neben den Kosten für z. B. Selbstbeteiligung ist zu prüfen, wie schnell der Schaden beglichen werden kann, um Folgekosten z. B. für Leihfahrzeuge zu vermeiden.
Erkenntnisse zum Einsatz von Pflanzenölkraftstoff in Traktoren wurden auf der Abschlussveranstaltung des 100-Traktoren-Demonstrationsprojektes von BMELV /FNR präsentiert. Die Beiträge können unter www.fnr.de/100traktoren2005 heruntergeladen werden.